Der PRG - Ökologie - Technik - Spass

25. 10. 2008:     Der Klassiker mal anders: Die Rallye Fränkische Schweiz bis zum Ende...

Das fing alles recht normal an, Anreise abends, viel zu früh aufstehen, technische Abnahme kein Problem, bisschen was frühstücken, ab in die Besichtigungsrunde.

Die ist bei dieser Rallye schon was besonderes. Es sind 5 verschiedene WPs, alle mit reichlich was aufzuschreiben. Auch alle etwas weiter auseinander, da hat man schon richtig was zu tun.

Um die Arbeit zumindest ein bisschen abzukürzen hatte ich am Vorabend schonmal 2 Schriebe anhand der Videos der letzten Veranstaltung erstellt. Die Brunn und die Stadtwald sind halt alte Bekannte. Der Rest war neu, zumindest noch nie genau so gefahren.

Diese beiden WPs haben wir dann nur einfach besichtigt, zum Checken des Aufschriebs, die anderen doppelt.

Die neuen WPs hatten es in sich. WP1 war zwar eine alte Bekannte, aber andersrum gefahren. Mit zwei heftigen Bergabpassagen. Was bergauf recht überschaubar sein mag wird bergab schon höchst spannend...

WP2 kannte ich garnicht. WP3 war die gut bekannte Brunn, WP4 der Stadtwald. WP5 war zumindest in Teilen schon bekannt, hatte aber eine höchst spektakuläre und knifflige Ortsdurchfahrt. Auch sonst sehr anspruchsvoll.

Also, auf zu WP1. Ehrlich gesagt, ich hatte schon den ganzen Morgen Kopfschmerzen, und Chris schien mir irgendwie auch etwas angespannt. Also, ideale Voraussetzungen, sich den Berg hinunterzustürzen. Und so wie wir uns fühlten war das dann auch nix. Das Auto fühlte sich komisch an, etwas rappelig, ich hatte kein sicheres Gefühl. Das war mehr so runtergeeiert als gefahren. Erst unten am Berg in den engen Passagen kam ich dann so halbwegs in Tritt. Ein paar enge Kurven, wo man die Haftungsgrenze gefahrlos ausloten konnte, danach gings einigermaßen.

Ein Video davon gibts nicht, ist auch besser so ;-)

Es folgte eine lange Verbindungsetappe zur WP2, wir kamen gut früh an und hatten etwas Zeit. Auch auf der Verbindungsetappe war das Auto etwas komisch, irgendwie rappelig und seltsame Vibrationen. Naja, ziehen wir mal die Radmuttern nach, nach Räderwechsel und nach der ersten WP ist das immer eine sinnvolle Maßnahme. Also renn ich so mit dem Schlüssel ums Auto und zieh so ein bisschen fester, bis ich hinten rechts angekommen bin. Was ist das? Beim Anziehen bewegt sich das Rad komplett zwei Zentimeter nach vorn. Hm, da ist einfach die Hinterachse lose! Jetzt aber gleich unters Auto geschmissen. Die Blechbügel, die die Hinterachs-Gummilager umschliessen sind da. Auch die Schrauben sind fest. Aber die Querschraube, also quasi der Lagerbolzen hat keine Mutter mehr. Auf beiden Seiten. Der Schotter der letzten Rallye hat hier anscheinend seinen Tribut gefordert, und mit nur einem Scheinwerfer wollte er sich wohl nicht zufrieden geben. Watt nu? Üblicherweise schrauben wir in solchen Fällen solange Ronnys Bus auseinander, bis wir die richtigen Muttern haben. Aber Ronny war nicht da... Zwei Käfigmuttern werden geopfert, aber die passen nicht. Spezialgewinde, offenbar M12 x 1,5. Aha, da haben wir Muttern reichlich, an jedem Rad sind vier davon... Wir beschliessen, dass Hinterräder auch mit drei Muttern halten.

Aber in eingebautem Zustand ist da schwer ranzukommen. Wir bekommen die Muttern zwar drauf, aber auf der rechten Seiten nicht fest. Naja, es wird Zeit zum Stempeln, fahren können wir so. Die Achse kann nicht verloren gehen, die Bolzen haben seitlich keinen Platz um wirklich abzuhauen...

Also, Stempeln, wieder einsortieren in der Schlange zum Start. Das verzögert sich, vor uns hat sich jemand gemault und muss rausgeschleppt werden. Eigentlich darf man hier nicht schrauben, aber wir holen uns eine Sondergenehmigung, wegen sicherheitsrelevanten Sachen darf man dann. Jemand leiht uns einen zweiten 19-er Ringschlüssel, und damit klappts.

So, der Stau ist beseitigt, das Auto wieder fit. Kopfschmerzen hab ich keine mehr, auch Chris ist nach der improvisierten Schrauberei wieder voll in seinem Element. Dann wollen wir mal.

Enge Straße, flotte Kurven. Man muss schon exakt fahren, aber es ist strahlende Sonne. Die Straße trocken und berechenbar. Bei 30 Sekunden dann die erste etwas schwierige Stelle, eine rechts 3- Cut mit Dreck. Klappt, das fühlt sich gut und vertraut an. Sofort eine Links 2+, jetzt will ichs wissen. Schön schnell rein, leicht jenseits der Haftgrenze, ein kleiner Wischer des Hecks, sauber gefangen, Vollgas weiter. Es folgt eine flüssige aber enge Passage. Die läuft einfach gelungen. Mit einer "ganz eigenen Linie", im richtigen Moment raus auf die Wiese und passgenau wieder zurück auf die Straße. Kopfschmerzen? Blödes Gefühl im Magen? Quatsch, nie gehabt...

Es wird wieder weitläufiger, eine flottere Rechts und dann bei 1:18 im Video auf einmal der große Schock. Was war das, hält ein Rad etwa mit 3 Schrauben doch nicht? Ist der Bolzen der Hinterachse gebrochen? Jedenfalls, es fühlt sich an als hätten wir einen mittleren Baumstamm überfahren. Drei oder vier höchst seltsame und heftige Rucke gehen durchs Auto, dann ist der Spuk wieder vorbei. Ich schau in die Rückspiegel, aber da liegt keine austrudelnde Hinterachse auf der Straße. Auch komme ich nicht umhin festzustellen, dass das Auto noch fährt.

Ohne Hinterräder würde es das vielleicht noch irgendwie tun, aber doch anders.

Hm, vorsichtig weiter, nichts zu spüren. Vierter Gang, Angst... Aber es geht, zwei drei Kurven weiter haben wir uns zu der Erkenntnis durchgerungen, dass alles noch dran ist. Also weiter im Text. Etwas vorsichtiger, aber auch noch nach der Spitzkurve fällt kein Rad ab.

Die Strecke wird wieder schneller, so ab 2:50 auch richtig schnell... Zähne zusammenbeissen, eine Mutkurve im fast ausgedrehten Vierten Gang. Das Auto ist brav. OK, Spitzkehre aus gut 150 anbremsen, lauter Zuschauer. Die wollen was sehen. Das haut hin, wirklich spät und hart gebremst, recht sauber rumgekommen, der Rest ist fast Routine.

Wir rätseln rum, was das wohl war. Ums vorwegzunehmen, wir wissen es auch jetzt noch nicht. Wer eine Idee hat, her damit. Auf der Staße lag nix, und am Auto scheint auch nichts zu fehlen.

Weiter im Text, WP3. Die Brunn, eine alte und gute Bekannte. Chris hat etwas Mühe mit meinem unvertrauten Schrieb, aber das macht nichts. Das Aufschreiben hat mir den Verlauf in den Kopf gepaukt, ich kann den Schrieb quasi beim Fahren mit aufsagen...

Nuja, vielleicht etwas verhalten im Wald, zunehmend mutiger. Die schnellen Kurven im Anflug auf den ersten Zuschauerpunkt sind gut gelungen. Dann "Kuppe voll, noch etwas drauf bleiben, dann hart bremsen für Links 2, Achtung Bäume".

Achso, Rollsplit ist auch noch...

Alles klar, Kuppe voll, noch etwas drauf, jetzt Anker werfen... Hui, das ist aber spät... Naja, könnte sich gerade noch so ausgehen. Aber ne, der Rollsplit liegt auch schon VOR der Kurve. Frechheit. Die Situation ist jedenfalls eindeutig, die Trassierbänder müssen dran glauben. 1. Band, 2. Band, 3. Band, jetzt endlich ist das Auto langsam genug, um den Rückweg zur Strecke anzutreten...

Von uns bleiben ungefähr 12 Sekunden hier liegen. Von ein paar anderen Teilnehmern leider auch die kompletten Autos... Viele haben halt auf dem Split doch noch versucht einzulenken, und in dem Winkel wird die Baumreihe dann doch verdammt dicht.

Schön zu sehen ist das auf dem Video eines BMWs, unserem Parkplatzkollegen, mit dem wird den Abend vor der Anreise noch verbracht hatten...

Video auf youtube.com

Der Rest der WP läuft wieder glatt. Auch die letzte Kurve, in der wir uns letztes Jahr einen Dreher geleistet haben...

Auf zur Nächsten: Wieder mit meinem Aufschrieb, im Stadtwald (der wirklich sehr verwirrend und schwierig aufzuschreiben und zu lesen ist) kommt Chris etwas raus. Aber das macht nichts, wie gesagt, ich könnte es auch selbst herbeten...

OK, vielleicht nicht ganz so wild angegangen wie im letzten Jahr, aber sauber und gut gelaufen. Auch die Kiesgrube (wo die meisten der PRG-Zuschauer standen) läuft glatt. Hier hatten wir letztes Jahr gleich zwei Dreher, das durfte sich auf gar keinem Fall wiederholen... Deshalb eher kontrolliert gefahren.

Der Rest auf dem Asphalt läuft ganz glatt und flott.

Chris meinte nachher, das wäre wohl nicht so berauschend, aber unterm Strich macht sich Platz 42 hier doch garnicht so übel.

Auf zur letzten WP, vielleicht der Höhepunkt der Rallye.

Auf dem Video ist leider nur noch der schnelle Anfang bis zur Ortsdurchfahrt, dann war die Kamera voll. Auch das lief sehr gut, und in der Ortsdurchfahrt haben wir auch nichts anbrennen lassen.

Hier lauert "das Loch". Laut Aussage des Verannstalters sind die Leute, denen hier noch nicht aus dem Graben gehólfen werden musste in der Minderheit. Wir sind eine solche Minderheit... Es war offenbar schwer was los, hier noch ein Fremdvideo:

Video auf youtube.com

OK, wir stellen fest, mit diesem Lader ist das Auto zum Einen flott, zum Anderen offenbar zuverlässig, und durchaus fahrbar. So ganz schlecht ist ein stinknormaler Wastegatelader offenbar nicht, wenn die Größe passt. Nur die Abstimmung der ESP ist ein Problem, das gilt es über den Winter zu lösen...

Bis zum Park-Ferme schaffen wir es auch noch mit der Karre, und in die Gaststätte halt zu Fuss.

Wir gönnen uns ein ordentliches Schnitzel und ein paar Radler. Die Ergebnisse von WP1 hängen schon aus, ein sehr bescheidener 83. Platz. Immerhin der Abstand bis Platz 50 sind auch nur 8 Sekunden... Ich schätze, dass wir uns im Laufe der Rallye doch noch zumindest in die erste Hälfte vorgekämpft haben. Chris ist sogar optimistischer und glaubt an Platz 50.

Da lag er wohl goldrichtig, es war sogar Platz 49. Nicht schlecht bei vielleicht 160 Startern.

20 Sekunden haben wir durch individuelle Fehler und den mühsamen Start vielleicht liegen gelassen. Aber das geht den meisten so... Wäre wenn und aber, alles nur Gelaber.

Und unser Lieblingsgegner, der Michalek mit seinem ollen Manta? Der war schon wieder schneller... Ausser in einer WP, da hat er sich wohl ein Viertelstündchen Pause im Graben gegönnt. Endlich haben wir ihn mal "geschrubbt".

In der Klasse sind wir von 13 Startern auf Platz 7. OK, kein Pokal, aber auch nicht schlecht.

Den Abend verbringen wir im Kreise unserer lieben Pöler zünftig mit Lagerfeuer. Sehr nett. Besonders die "Ossi-mässige" Organisation der passenden Mini-Bronxtonne durch den Hein hat mir sehr gefallen ;-)




Onboard-Videos

Noch einige Anmerkungen aus dem Forum:
Jo: 200 PS sinds nicht geworden, aber geschätzte 175 warens schon. Es war sogar zu 90% rauchfrei. Fotografen stehen aber selten da, wo man im Vierten mit 150 vorbeisemmelt. Die suchen sich immer die langsamen Ecken, da kann man besser knipsen...
Jedenfalls, wenn wir den Winter jetzt für eine sauber abgestimmte elektronische ESP nutzen, dann sind auch über 200 PS ohne solchen Wolken in greifbarer Nähe.


Toffi: Immerhin das erste Mal, dass ich bei sowas zugeschaut habe. Und es ging sich auch gleich richtig gut raus.
Wir standen erst am Start, haben da einiges an interessanten Autos gesehen. @PRG-Crew: Die "als solche zu erkennenden Pöler", das waren Moby Dick und ich. Ging leider dann irgendwie alles sehr schnell. Die Spitzkehre in der WP2 war ein schön gemachter Zuschauerpunkt und durchaus spektakulär anzuschauen. Die Leute oberhalb der Kurve fanden das PRG-Rußwölkchen weniger lustig als wir, die standen aber auch drin. Es ist jedenfalls erstaunlich, wie so ein Golf beschleunigen kann, wenn man ihm beibringt, dass er das will. Wir haben dann noch ein paar anderen Autos zugeschaut, sind dafür auf dem Weg zur WP4 nochmal vom PRG überholt worden. Der funktioniert also auch ohne Schotter unter den Rädern. Der Zuschauerpunkt im Steinbruch ist eine wirklich schöne Stelle mit Blick auf ein recht langes Streckenstück. Die Kurve dort muss man gesehen haben, um sie zu verstehen. Das haben die meisten wohl getan, aber man konnte recht deutlich sehen, wer sie kennt, und wer nicht. Direkt als wir kamen hat sich ein Opelfahrer verschätzt, eine 180°-Wende auf der Frontschürze (mit Heck zwei Meter über dem Boden) sieht ziemlich eindrucksvoll aus. Danach den ersten Gang reinzuwürgen und aufs Gas zu steigen... die Nerven hätte ich nicht gehabt. Der PRG kam wieder... unspektakulär, aber alles andere als langsam. Auf jeden Fall sauber gefahren und durchaus Leistung drin, aber irgendwie fehlt da noch Menge. Da waren Benziner unterwegs, die schlimmer gerußt haben. Nicht weiter gefahren ist die Besatzung eines Polo, die genau so mit dem Heck den Erdwall erwischt hat wie der Opel vorher. Nach einem Überschlag mit Landung gegen die Fahrtrichtung auf der Seite stand das Auto zwar wieder auf den Rädern, war aber nicht mehr ganz vollständig. Immerhin, es ist niemandem etwas ernsthaftes passiert, so ein Überrollkäfig ist eine feine Sache. Jeder normale Mensch würde das Auto jetzt wegwerfen, ich bin mal gespannt. Normale Menschen fahren nicht Rallye.
Toffi, der nu auch spielen will...
der Beitrag im Forum